Die Systematisierung eines Produktes ist die strukturierte Analyse aller Komponenten, Varianten und Abhängigkeiten eines Produktes. Sie bildet die Grundlage für das Regelwerk eines Produktkonfigurators und ermöglicht die Automatisierung von Vertrieb, Konstruktion und Fertigung.
Im Regelwerk werden alle Produktdaten und Zusammenhänge erfasst. Es ist damit das Herzstück jedes Produktkonfigurators. Bei jeder Nutzung wird darauf zugegriffen. Bevor das Produktwissen jedoch in Regeln formuliert werden kann, muss das Produkt detailliert analysiert und systematisch beschrieben werden.
Die Produktsystematisierung ist die schriftliche und/oder mathematische Beschreibung sämtlicher Komponenten, Abhängigkeiten und angrenzender Systeme eines Produktes sowie deren Wechselwirkungen. Im Fokus steht die Frage, wie ein Produkt aufgebaut ist, aus welchen Materialien es besteht und welche Auswirkungen Änderungen einzelner Merkmale auf andere Produktbereiche haben.
Unsere Definition unterscheidet sich bewusst vom üblichen Verständnis des Begriffs. Meist wird Produktsystematisierung mit Produktklassifizierung gleichgesetzt. Dies ist die Einordnung eines Produktes in vorhandene Kategorien anhand bestimmter Eigenschaften oder Einsatzbereiche. Für den Aufbau eines Produktkonfigurators reicht diese Betrachtungsweise jedoch nicht aus.
Die Produktsystematisierung erfolgt zu Beginn des Implementierungsprozesses, manchmal sogar noch vor dem eigentlichen Projektstart. Sie ist grundlegende Voraussetzung dafür, ein Produkt im Konfigurator abbilden zu können. Alle weiteren Projektschritte bauen auf den dabei gewonnenen Erkenntnissen auf.
Typischerweise umfasst ein Konfigurationsprojekt folgende Phasen:
Eine Produktsystematisierung erfolgt auch immer dann, wenn ein weiteres Produkt in ein bestehendes Regelwerk hinzugefügt werden soll. Grundsätzlich kann sie eigenständig durchgeführt werden. Bei Bedarf unterstützen wir Sie selbstverständlich mit unserer Erfahrung und unserem Know-how.
Die Produktsystematisierung ist von zentraler Bedeutung, da sie die Grundlage für die spätere Struktur des Regelwerks bildet. In ihr werden sämtliche Zusammenhänge, Konstruktionsprinzipien und Abhängigkeiten des Produktes beschrieben. Nur auf dieser Basis lässt sich eine leistungsfähige Engineering Automation realisieren.
Auch die Performance des Konfigurators hängt maßgeblich von der Qualität der Systematisierung ab. Je klarer die Produktlogik beschrieben ist und je besser wiederkehrende Elemente und Strukturen erkannt werden, desto effizienter kann das Regelwerk aufgebaut werden. Eine saubere Struktur führt zu flachen Strukturen und damit zu einer schnellen Variantenberechnung.
Darüber hinaus bleibt das Regelwerk übersichtlich, wartungsfreundlich und langfristig leistungsfähig.
Die Ziele der Produktsystematisierung lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Die Produktsystematisierung wird von einem erfahrenen Ingenieur von customX zusammen mit den internen Wissensträgern des Unternehmens durchgeführt. Dabei sollten die beteiligten Mitarbeiter das Produkt und die Prozesse sehr gut kennen oder wissen, wo die erforderlichen Informationen zu finden sind.
Ebenso wichtig ist jedoch der Blick von außen. Externe Experten bringen eine unvoreingenommene Perspektive ein und verfügen über das notwendige Fachwissen für den späteren Aufbau des Regelwerks. Dadurch können Produktlogiken und Strukturen häufig schneller erkannt werden.
Die Kombination aus internem Produktwissen und externer Konfigurator-Expertise hat sich in der Praxis als besonders erfolgreich erwiesen. Unsere Ingenieure wissen, welche Fragen gestellt werden müssen, um relevante Zusammenhänge zu identifizieren und daraus eine belastbare Produktlogik abzuleiten. Die Systematisierung erfolgt deshalb in enger Zusammenarbeit innerhalb eines intensiven Workshops.
Der Systematisierungsworkshop dauert in der Regel zwei Tage. Dank ihrer Erfahrung erkennen unsere Ingenieure die Grundstruktur eines Produktes sehr schnell, analysieren diese gemeinsam mit Ihrem Team und dokumentieren die Ergebnisse umfassend.
Idealerweise findet der Workshop direkt bei Ihnen vor Ort statt. Dadurch stehen benötigte Unterlagen wie Zeichnungen, CAD-Daten oder technische Dokumentationen jederzeit zur Verfügung. Zudem können bei Bedarf kurzfristig weitere Mitarbeiter hinzugezogen werden. Gerade bei komplexen Produkten befindet sich wertvolles Wissen häufig noch ausschließlich in den Köpfen einzelner Experten und ist bislang nicht dokumentiert.
Die wichtigste Voraussetzung für die Produktsystematisierung ist, dass das Produkt bereits vollständig entwickelt und konstruiert wurde.
Nur dann kann eine verlässliche Struktur erarbeitet werden. Ist die Konstruktion noch nicht abgeschlossen, können spätere Änderungen wesentliche Auswirkungen auf die Produktlogik haben und damit große Teile der Systematisierung unbrauchbar machen. In diesem Fall wäre nach Abschluss der Entwicklung zumindest noch einmal eine intensive Prüfung der Systematisierung erforderlich.
Außerdem sollte bereits vor Beginn der Systematisierung geklärt werden, ob alle gewünschten Varianten mit der Produktlogik abgebildet werden können oder ob einzelne Ausführungen als echte Individualkonstruktionen zu betrachten sind.
Da Sonderkonstruktionen nicht der üblichen Produktlogik folgen und immer Einzelfälle darstellen, ist ihr Abbilden im Produktkonfigurator häufig wirtschaftlich nicht sinnvoll. Im Fokus der Systematisierung stehen daher die regulären Produktvarianten, und nicht individuelle Sonderlösungen.
Im Rahmen der Produktsystematisierung werden verschiedene Themen bearbeitet, die die Grundlage für den effizienten Aufbau des Konfigurators bilden. Zusammenfassend lassen sich diese Schwerpunkte in drei Bereiche gliedern:
Zu Beginn der Systematisierung steht die Frage, wer den Produktkonfigurator später nutzen wird. Welche Ausrichtung ist gewünscht? Wer gehört zur Zielgruppe? Wer nutzt das Frontend? Welche Funktionen werden benötigt?
Daher sollten einige grundlegende Entscheidungen zu Zielgruppe und strategischer Ausrichtung des Konfigurators bereits vor Beginn der Systematisierung getroffen werden. Je klarer die Rahmenbedingungen sind, desto zielgerichteter kann die Planung erfolgen.
Soll beispielsweise ein Vertriebskonfigurator im Sinne eines CPQ-Systems aufgebaut werden? Oder liegt der Schwerpunkt auf der Produktionsvorbereitung und der Engineering Automation?
Ebenso wichtig ist die Frage nach dem Einsatzbereich. Soll der Konfigurator im B2B- oder im B2C-Umfeld eingesetzt werden? Greifen die Kunden direkt über einen Online-Shop oder die Website darauf zu oder wird die Anwendung ausschließlich von Vertrieb und den Vertriebspartnern genutzt?
Auch zukünftige Anforderungen sollten bereits berücksichtigt werden. Ist absehbar, dass die Anwendung später erweitert oder um zusätzliche Funktionen ergänzt wird?
Sobald Klarheit über Zielgruppe und Einsatzbereiche besteht, kann die eigentliche Systematisierung beginnen und anschließend der Aufbau des Produktkonfigurators erfolgen.
Für die Systematisierung und den weiteren Aufbau des Konfigurators ist es entscheidend, das angestrebte Ziel frühzeitig festzulegen. Die Zielgruppe beeinflusst sowohl Grundfunktionalität als auch die benötigten Ausgabedokumente.
Dabei geht es um die Entscheidung, wer den Konfigurator in welcher Form nutzen soll. Reicht das Auswählen einzelner Optionen für ein Datenblatt oder soll eine grundlegende Konfiguration erfolgen, bei der Stücklisten, Fertigungszeichnungen und weitere Dokumente erzeugt werden? Je nach Anwendungsfall unterscheiden sich Struktur, Funktionsumfang und Implementierungsaufwand deutlich.
Ändern sich die Anforderungen oder die Zielgruppe im Verlauf der Systematisierung, können diese Anpassungen selbstverständlich berücksichtigt werden. In der Praxis ist durchaus üblich, einige Fragestellungen zunächst offen zu lassen, während des Workshops zu bewerten und erst auf dieser Grundlage eine Entscheidung zu treffen.
Nach der Definition der Zielgruppe beginnt die detaillierte Analyse des Produktes. Dabei wird das Produkt ganzheitlich betrachtet und bis auf seine kleinsten funktionalen Einheiten heruntergebrochen. Ziel ist es, sämtliche Bauteile sowie deren Aufbau und Zusammenwirken vollständig zu erfassen.
Im nächsten Schritt wird die Variabilität des Produktes untersucht. Dabei wird analysiert, welche Merkmale verändert werden können und welche Komponenten von diesen Änderungen betroffen sind. Variabilität kann sowohl die Abmessungen als auch die Ausgestaltung eines Produktes betreffen. So können beispielsweise Längen, Breiten und Höhen variieren, aber auch Anbindungen, Materialien, Anbauteile, Verbindungselemente oder Lochungen. Die Variabilität kann dabei sehr groß sein.
Neben der Produktstruktur werden auch sämtliche Abhängigkeiten betrachtet. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welche Auswirklungen die Änderung eines Merkmals auf andere Elemente und Bereiche hat. Verändert sich beispielsweise ein Bauteil, müssen häufig auch andere Komponenten angepasst werden. Die genaue Analyse dieser Zusammenhänge ist die Grundlage für die spätere Automatisierung der Variantenkonstruktion und damit für einen leistungsfähigen Produktkonfigurator.
Von den Variantenprodukten abzugrenzen sind echte Sonder- oder Individualkonstruktionen, die sich nicht durch Variation eines Grundproduktes beschreiben lassen, sondern von Grund auf neu konstruiert werden müssen. Solche Einzelfälle werden nicht Bestandteil der Produktlogik eines Konfigurators.
Während der zweitägigen Systematisierung sind Mitarbeiter aus den verschiedenen Bereichen eingebunden, manchmal werden punktuell externe Anbieter von ERP-Systemen hinzugezogen. Dabei können die Anzahl und die Zusammensetzung der Teilnehmer abhängig vom Themengebiet variieren. So wird sichergestellt, dass die erforderliche Expertise jederzeit verfügbar ist, ohne unnötig viele Ressourcen zu binden.
Der customX-Ingenieur führt durch den Systematisierungs-Workshop und erarbeitet zusammen mit den Unternehmensmitarbeitern die Produktlogik.
Neben dem Wissen der Mitarbeiter stellen die Produktunterlagen wichtige Informationsquellen dar. Sie liefern nicht nur technische Details zum Produkt, sondern geben auch Aufschluss darüber, welche Ausgabedokumente benötigt werden und wie diese strukturiert sein sollten.
Für die Produktsystematisierung gilt das Prinzip: Je mehr Unterlagen zur Verfügung stehen, desto effizienter und präziser kann gearbeitet werden.
Zu den relevanten Unterlagen zählen beispielsweise Zeichnungen, 3D-Modelle, Datenblätter, Produktkataloge und bereits eingesetzte Vertriebstools – kurz: alle Dokumente, in denen Informationen zu Produkt oder Prozess zu finden sein.
Welche Dokumente ein Produktkonfigurator erzeugen soll, hängt unmittelbar von der zuvor definierten Zielgruppe und der Art der Nutzung ab.
Kunden benötigen meist nur eine Preview und grobe Zeichnungen und, je nach Branche, auch BIM-Daten. Für die Produktion stehen dagegen maßstabsgetreue, detaillierte Fertigungszeichnungen, 3D-Modelle und Stücklisten im Vordergrund.
Im letzten Schritt der Produktsystematisierung wird daher festgelegt, welche Dokumente der Produktkonfigurator erzeugen sollen. Gleichzeitig wird definiert, welche Informationen die einzelnen Dokumente enthalten müssen und wie diese gestaltet werden sollen.
Idealerweise werden hierfür bereits vorhandene Vorlagen bereitgestellt. Dadurch lassen sich die automatisch generierten Dokumente nahtlos in das bestehende Corporate Design einfügen.
Zum Abschluss möchten wir Ihnen zwei Empfehlungen mit auf den Weg geben, die sich in zahlreichen erfolgreich umgesetzten Konfigurationsprojekten bewährt haben.
Bei der Einführung einer Konfigurationssoftware treffen häufig unterschiedliche Interessen und Anforderungen aufeinander. Vertrieb, Konstruktion, Produktion und IT betrachten das Projekt jeweils aus ihrer eigenen Perspektive und verfolgen teilweise unterschiedliche Ziele.
Als Projektverantwortlicher sind Sie daher in der ungemütlichen Position, zwischen den verschiedenen Stakeholdern zu vermitteln und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Nehmen Sie sich Zeit, die Anforderungen aller Beteiligten zu verstehen und offen zu diskutieren. Auch gemeinsame Workshops oder Teamgespräche können hierbei sehr hilfreich sein.
Gleichzeitig sollte der Kreis der aktiv eingebundenen Personen überschaubar bleiben, damit Diskussionen und Abstimmungsrunden das Projekt nicht unnötig verlangsamen. Ziel sollte daher sein, relevantes Fachwissen gezielt einzubeziehen und gleichzeitig effiziente Entscheidungswege sicherzustellen.
Bei der Entwicklung des Regelwerks gilt es, Aufwand und Nutzen in ein sinnvolles Verhältnis zu setzen. Je wichtiger das Produkt für Ihr Geschäft ist und je häufiger es konfiguriert wird, desto stärker lohnt sich die Investition in eine umfassende und detaillierte Regelwerksentwicklung.
Handelt es sich dagegen um ein Produkt, das nur selten verkauft wird oder dessen Konfigurator lediglich für wenige interne Prozessschritte genutzt wird, kann an einigen Stellen bewusst eine einfachere Lösung gewählt werden. Nicht jede Ausnahme und jeder Sonderfall müssen automatisiert werden.
Die Kunst besteht darin, genau den Automatisierungsgrad zu wählen, der den größten wirtschaftlichen Nutzen bietet.
Nach der Produktsystematisierung folgen weitere Projektphasen, die auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauen. Dazu gehören insbesondere die Umsetzungsplanung, die Ressourcenplanung, die Integration in die Systemlandschaft, der Aufbau des Regelwerks sowie das Go-Live des Produktkonfigurators.
In dieser Phase wird ein konkreter Fahrplan für die weitere Umsetzung erstellt. Dabei werden Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Zeitpläne definiert. Wer macht was mit wem und wann? Werden externe Dienstleister eingebunden? Gibt es Meilensteine und Deadlines, die eingehalten werden müssen?
Eine strukturierte Planung schafft Transparenz und bildet die Grundlage für einen reibungslosen Projektablauf.
Anschließend erfolgt die Planung der benötigten Ressourcen. Hierbei werden sowohl die vorhandenen als auch die zusätzlich benötigten Ressourcen betrachtet.
Dazu zählen beispielsweise Personalressourcen, Zeitbudgets, finanzielle Mittel und technische Infrastruktur. Auch die Verfügbarkeit externer Dienstleister sollte frühzeitig berücksichtigt werden.
Der Konfigurator ist kein in sich geschlossenes System, sondern integriert sich in die bestehende Systemlandschaft. Daher müssen Schnittstellen zu den relevanten Anwendungen geplant und umgesetzt werden. Dabei ist zu definieren, welche Informationen ausgetauscht werden sollen und in welcher Form die Anbindung erfolgt.
In dieser Phase wird aber auch die Hardware betrachtet. Es ist zu prüfen, ob die vorhandene Infrastruktur ausreicht oder ob sie erweitert werden muss.
Wird ein bestehender Konfigurator um ein weiteres Produkt ergänzt, müssen Sie auch darauf achten, wie sich die Zahl der Nutzer durch dieses neue Produkt ändern wird, damit bei Bedarf die Lizenz angepasst werden kann.
In dieser Phase werden die in der Systematisierung erarbeiteten Strukturen und Abhängigkeiten in Regeln formuliert.
Der Aufbau des Regelwerks gehört zu den aufwendigsten Projektphasen, da hier das gesamte Produktwissen systematisch modelliert und für die Engineering Automation nutzbar gemacht wird.
Daher haben wir aus unserer langjährigen Projekterfahrung einige Tipps zusammengestellt, um den Prozess effizient zu gestalten. Lesen Sie hier mehr zum Aufbau des Regelwerks.
Im letzten Schritt wird die Anwendung dann nach eingehenden Tests live geschaltet. Anwender werden geschult, die Anwendung ins Web integriert und entsprechend beworben.
Mit dem Go-Live ist das Projekt jedoch nicht abgeschlossen. Regelmäßige Prüfungen, Anpassungen und Erweiterungen stellen sicher, dass der Konfigurator auch langfristig zuverlässig arbeitet und auf Veränderungen bei Produkten, Prozessen oder Marktanforderungen reagieren kann.
Die Produktsystematisierung ist der wichtigste Vorbereitungsschritt bei der Einführung eines Produktkonfigurators. Erst durch die strukturierte Erfassung von Komponenten, Varianten und Abhängigkeiten kann ein leistungsfähiges Regelwerk aufgebaut werden.
Sie schafft damit die Grundlage für eine effiziente Variantenkonfiguration, eine erfolgreiche Engineering Automation und eine nachhaltige Digitalisierung von Vertriebs-, Konstruktions- und Fertigungsprozessen. Je sorgfältiger die Systematisierung durchgeführt wird, desto leitungsfähiger, wartungsfreundlicher und zukunftssicherer kann der Produktkonfigurator aufgebaut werden.